Volksfest-Legende pfeift mit Meisen um die Wette – Peter Berger ist Vogelpfeifer mit Tradition.

Von Tanja Pfeffer
www.straubinger-magazin.de „Das Stadtmagazin“
Aufgewachsen zwischen Nockherberg und Bayern-Trainingsgelände, unterhält sich Vogelpfeifer Peter Berger bereits in dritter
Generation mit Amseln, Lerchen und Co. Mit etwa 1,4 Quadratmetern betreibt der 49-Jährige den kleinsten Stand auf dem Gäubodenvolksfest.

Herr Berger, wann hatten Sie Ihr erstes Vogelpfeiferl?

Das Pfeifen ist mir in die Wiege gelegt worden. Ich habe den Schnuller ausgespuckt und wollte gleich ein Vogelpfeiferl. Bei meinen zwei Buam war’s genauso.

Schon Ihr Großvater war Vogelpfeifer. Wird der Stand in Ihrer Familie bleiben?

Das wünsche ich mir. Noch ziehen meine beiden Söhne aber noch nicht so richtig. Ich selbst aber hatte bis etwa 25 Jahre auch noch kein Interesse. Jetzt aber bin ich froh, dass ich es gemacht habe. Unser Geschäft hat Tradition, weil mein Großvater das schon gemacht hat. Er hat schon vorm Krieg mit den Vogelpfeiferl gepfiffen und während des zweiten Weltkrieges die Bevölkerung damit aufgeheitert.

Wie bereiten Sie sich und Ihre Stimme auf die elf Tage vor?

Eigentlich überhaupt nicht. Wenn man weiß, wo man das Pfeiferl hinlegen muss, muss man sich gar nicht anstrengend, also wenn das Vogelpfeiferl an der richtigen Stelle sitzt. Um das Pfeifen zu lernen, muss man sich schon anstrengen, weil man noch nicht weiß, wie der Ton raus kommt. Bis man weiß, wo das platziert sein muss.

Wie funktioniert das Pfeifen eigentlich: Peter Berger erklärt die Kunst des Vogelpfeifers. Pfeiferl richtig am Gaumen platzieren, etwas vollsabbern und „Schule, Schneider, Schuster, Ziegenbock“ sagen, oder auch „Scheibenkleister“, wem’s hilft.

Wie genau funktioniert das Zwitschern?
Gorilla mit der überdimensionalen Zunge

So funktioniert das Vogelpfeiferl

Um Anfängern das Pfeifen zu erleichtern, hat der 49-jährige Vogelpfeifer viele Hilfsmittel parat – von Riesenpfeiferl, über ein Gebiss bis hin zu seinem selbst gebastelten Gorilla mit der überdimensionalen Zunge.

Es wird am Gaumen platziert. Nicht bei den Zähnen vorne, ungefähr einen Zentimeter hinter den Zähnen, in die Mulde rein. Zwischen Gaumen und der Zunge liegt dann des Pfeiferl und da jagt man die Luft durch. Das ist wie bei einem Grasblatt, das man zwischen die Finger nimmt. Bläst man da von beiden Seiten durch, kommt ein Ton raus. Und so ist das hier auch.
Wer eine Zahnlücke hat, kann noch besser pfeifen. Es gibt einige, die machen mit der Zunge zu. Dann geht nichts, weil die Luft nicht rausgeht. Mit Zahnlücken ist es leichter. Bei Kinder geht’s schneller wie bei Erwachsenen. Erwachsene denken zu viel. Ein Crashkurs dauert fünf Minuten. Da kannst du singen, wie ein Zeiserl.

Um Anfängern das Pfeifen zu erleichtern, hat der 49-jährige Vogelpfeifer viele Hilfsmittel parat – von Riesenpfeiferl, über ein Gebiss bis hin zu seinem selbst gebastelten Gorilla mit der überdimensionalen Zunge.

„A Vogelpfeiferl g’hört zum Volksfest wie Lederhosn, Dirndl und a Brezn.“

Wie reagieren die Leute auf Ihr Gezwitscher?

Die meisten reagieren natürlich, wenn ich pfeife. Manche, die mich nicht kennen, suchen in den Bäumen nach Vögeln.

Wer Sie aber kennt, kommt nicht nur einmal vorbei. Kennen Sie Ihre Stammkunden?

Viele meiner Kunden besuchen unseren Stand schon jahrelang. Auf meinem Hut ist ein Sticker mit dem Namen „Kathrin“ drauf. Den hat sie mit sieben Jahren meinem Vater geschenkt. Die Kathrin ist heute etwa 25 Jahre alt und kommt jedes Jahr vorbei und freut sich, dass der Sticker noch auf dem Hut ist.

Peter Berger imitiert als Vogelpfeifer einen ganzen Tierpark. Aber auch der Klang eine Polizeisirene oder einer Alarmanlage können nützlich sein.
Welche Vögel können sie imitieren?

Man kann eigentlich alle Tiere nachmachen. Eine Meise zum Beispiel. Du machst eine Meise nach, der andere hat ein, gell? (scherzt er und pfeift.) Einen Bussard, Adler, Spatz und Lerchen. Früher haben wir nur Vögel imitiert. Jetzt machen wir einen ganzen Tierpark. Frosch, Esel oder auch Pferde. Eine Alarmanlage hab‘ ich auch schon gemacht. Das habe ich mal in einem Dorf getestet. Da war grad Bauernmarkt und alle Autos sind kreuz und quer gestanden und mir hat’s pressiert. Da hab‘ ich die Alarmanlage imitiert und die Polizeisirene. Alle sind weggefahren und ich hatte freie Fahrt.

Der Vogelpfeifer in Aktion

Können Sie mit ihrem Pfeiferl auch Tiere anlocken?

Ja man kann sich mit den Amseln unterhalten, die reagieren auf das Pfeifen. Es kann auch sein, dass ein Pferd durchgeht beim Wiehern. Aber am unempfindlichsten sind die Volksfestpferde. Die sind das gewohnt.

Hier hören Sie eine Auswahl an Tieren, die der Vogelpfeifer imitiert

Mit etwa 1,4 Quadratmetern betreibt Peter Berger den kleinsten Stand auf dem Straubinger Gäubodenvolksfest. Den Gorilla braucht er zur Demonstration. Das Maskottchen hat sein Vater selbst gemacht – aus Tapetenkleister und Zeitungspapier.
Was hat es mit dem Gorilla als Maskottchen auf sich?

Den hat mein Vater selbst gemacht, aus Tapetenkleister und Zeitungspapier. Seit 1982 gibt’s ihn, also schon seit 28 Jahren. Er ist zu Demonstrationszwecken da (zeigt auf die überdimensional große Zunge, auf der ein Vogelpfeiferl liegt). Und wenn einer blöd daherredet, wird er mit Wasser aus dem Gorillamund angespuckt. Die Wasserspritze geht auch immer noch. Unterm Jahr sitzt der Gorilla auf meinem Beifahrersitz im Auto. Manche schauen schon sehr erschrocken, vor allem auch weil er die Zunge rausstreckt.

Auf welchen Festen kann man Sie noch pfeifen hören?

Ich mach das in meiner Urlaubszeit. Ich bin Kfz-Meister. Als ich noch selbstständig war, war ich mehr unterwegs, aber so viel Urlaub hab‘ ich jetzt nicht mehr. Deswegen nehm ich nur noch das Oktoberfest, das Gäubodenvolksfest und vielleicht noch ein kleines Fest pro Jahr mit.

Und wo ist es am schönsten?

In Straubing. Es ist ein Fest der Bayern, hier wird Tradition und Gemütlichkeit hochgehalten. Vor allem die Anbindung an das Zentrum und der freie Eintritt auf der Messe.

Letzte Frage: Was wäre das Volksfest ohne Voglpfeifer?

Es wäre sehr traurig. Ich würde mir wünschen, dass meine Söhne das Pfeifen weiter machen – zumindest in Straubing und in München.

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